Bargeldloses Bezahlen boomt auch in der Finanzkrise

Dienstag den 29.09.2009

Die Verlockung ist groß, die verschiedenen Indizien für eine Erholung der Konjunktur allzu positiv auszulegen und ihretwegen darauf zu hoffen, die Wirtschaftskrise wäre schon bald etwas, das nur noch in der Vergangenheitsform in den Medien Erwähnung findet. Ein Indiz dafür, dass die Finanzkrise auch weiterhin die Pressemeldungen maßgeblich mitbestimmen sind die derzeitigen Fakten aus dem so genannten World Payments Report, der sich auch 2009 wieder unter anderem mit den Entwicklungen bei bargeldlosen Zahlungsmodalitäten befasst und dabei drastisch deutlich machen kann, dass das Ende der Fahnenstange – vor allem bei den bargeldlosen Zahlungsformaten wie Debitkarten und den normalen Kreditkarten – beim besten Willen noch nicht als erreicht angesehen werden sollte.Wie gewohnt wird der Report in einer Kooperation der European Financial Management & Marketing Association, der Experten des Unternehmens Capgemini und vor allem der Royal Bank of Scotland auf den Weg gebracht, um verlässliche Aussagen zum Zahlungsverkehr treffen zu können.

Wachstum auf hohem Niveau bei Kreditkartennutzung

Der Report kann vor allem eines bestätigen: Auch im zurückliegenden Jahr 2008 wurde ein deutliches Plus bei den Transaktionen im Bereich der bargeldlosen Bezahlvorgänge verbucht. Nach einem ordentlichen Zuwachs in 2007 (8,6 Prozentpunkte) konnte die Branche auch 2008 erhebliche Entwicklungen miterleben. Das Steckenpferd ist und bleibt der besagte Sektor der Kredit- und Debitkarten, selbst wenn das Plus im vergangenen Jahr nicht mehr ganz so üppig ausfällt wie Jahr 2007. Doch auch 11,2% mehr bargeldlose Transaktionen weltweit (2007 14,5%) können sich ohne Frage sehen lassen. Hierbei sind es auch weiterhin die USA, die international vorn liegen. Dort werden jährlich insgesamt 99 Milliarden Vorgänge durchgeführt. Zum Vergleich: Die Länder der Eurozone bringen es nur auf 55 Milliarden Transaktionen. Wie in etlichen anderen Finanzmarkt-Nischen sind es natürlich auch bei diesem Thema gerade die asiatischen Märkte, die den Konzernen für die Zukunft üppiges Wachstum in Aussicht stellen.

Weiterhin deutlich steigende Kreditausfälle

Bei allem Optimismus, den der Report den Unternehmen möglicherweise vermittelt, darf gerade für die USA aber ein Aspekt nicht in den Hintergrund rücken. Viele Branchen werden allmählich und zeitlich versetzt von der Wirtschaftskrise ereilt. So ist er erklärlich, wieso weiterhin in wachsendem Ausmaß Ausfälle bei den Kreditkarten-Gesellschaften beobachtet werden können. Die fortschreitende Welle von Entlassungen in vielen Branchen des Arbeitsmarktes stellt die Kreditkartenutzer vor große Probleme. Immer häufiger können die Konsumenten laufende Kosten ihrer Kreditkarten nicht mehr bedienen.

So liegt der von der Ratingagentur Moody’s Investor Service erstellte Index für Kreditausfälle in den USA nach 10,53 Prozent im Juli im August bereits bei rund einem Prozent mehr auf einem Niveau von 11,49 Prozent. stieg der betreffende Index für Kreditausfälle mit Kreditkarten im August auf einen Wert von 11,49 Prozent. 2008 endete mit einem Wert von nur sieben Prozent. Die Zahl der Verbraucher, die nicht mehr imstande sind Schulden abzutragen, klettert also nach wie vor spürbar. Ein Ende der Krise kann somit wohl derzeit niemand herbeireden.

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