Urteil: Zusatzversicherungen bei Kreditkarten

Sonntag den 24.07.2016

Um Kreditkarten aufzuwerten, werden Pakete geschnürt, die Boni und teils auch Versicherungen umfassen. Für dieses Mehr an Leistung zahlt der Kunde eine höhere Jahresgebühr. Dass es sich nicht in jedem Fall lohnt, tiefer in die Tasche zu greifen, belegt ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf. Die Richter hatten sich mit den Versicherungsleistungen einer Kreditkarte zu befassen. Konkret ging es um die Policen für Reiserücktritt und Reiseabbruch. Fazit: Der Schutz deckt sich nicht mit dem, was die Kunden erwartet hatten.

Im vorliegenden Fall hatte ein Ehepaar rund 4.800 Euro für eine Ayurvedakur in Nepal bezahlt, inklusive Hotel und Vollpension. Als der Vater der Frau starb, brach das Paar die Reise ab und hoffte darauf, dass die Kreditkartenversicherung für die Kosten und den nicht genutzten Urlaub aufkommt. Dem war aber nicht so. Bezahlt wurde lediglich für den Rückflug. Die Assekuranz überwies 1.920 Euro. Daraufhin klagte die Frau und verlangte weitere 2.200 Euro für die verlorenen Urlaubskosten, scheiterte damit aber sowohl in den Vorinstanzen als auch vor dem Landgericht Düsseldorf.

Nicht alle Kosten sind gedeckt

Das Problem: Weder das Hotel, noch die Vollpension oder sonstige zusätzlichen Leistungen, die gebucht worden waren, werden von der Reiseabbruchversicherung der Kreditkarte gedeckt. Die Richter sahen hier keinerlei Spielraum bei der Auslegung der Versicherungsbedingungen (Aktenzeichen 9 S 25/15 vom 28. April 2016).

Die Stiftung Warentest, die auf das Urteil aus Düsseldorf aufmerksam macht, rät, eine separate Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung abzuschließen. Das heißt nicht, dass die Kreditkarte oder die Extra-Leistungen überflüssig wären. Denn gerade im Urlaub ist die Kreditkarte ein wertvoller und sicherer Begleiter. Der Fokus sollte hierbei allerdings ganz klar auf der Zahlungsfunktion liegen – und dafür reichen die günstigen oder kostenlosen Karten völlig aus. Bei den übrigen Services lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte oder man fragt explizit nach, um nicht auf die Nase zu fallen.

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