Der Personalausweis als Kreditkarte

Montag den 6.10.2014

Die Kreditkarte im Smartphone zu integrieren bzw. die Kartendaten im Speicher des Mobiltelefons zu hinterlegen, ist schon ein großer Schritt. Bis er hierzulande flächendeckend vollzogen ist und mobiles Bezahlen zum Alltag gehört, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Eher unwahrscheinlich ist indes, dass die Bundesrepublik den gleichen Weg einschlagen wird wie Nigeria. Dort erhalten künftig alle Bürger einen neuen biometrischen Personalausweis, dessen EMV-Chip die persönlichen Daten speichert und darüber hinaus die Funktion einer Prepaid-Kreditkarte von Mastercard übernimmt.

Damit auch jeder weiß, dass der Pass als Zahlungsmittel genutzt werden kann, prangt das Logo der Kreditkartengesellschaft auf dem Ausweis. Ein interessanter Ansatz, der um ein Konto für jedermann bei der Bank Access ergänzt wird. Wie ernst der Staat es damit meint, zeigt die Tatsache, dass die eID-card bei den Wahlen 2019 Pflicht sein wird. Für den Antrag bedarf es aller Fingerabdrücke, eines Iris-Scans und natürlich eines Lichtbilds. Zusätzlich umfasst der Datenbestand auf dem Chip die Steuerinformationen, den Führerschein und die Wählerregistrierung. Also ein echtes Datenpaket.

Genau daran stören sich Kritiker. Sie befürchten, dass anhand der Vielzahl persönlicher Informationen deutlich einfacher Profile erstellt werden können. Mastercard beruhigt diesbezüglich, dass man ausschließlich Zugriff auf die finanziellen Transaktionen habe. Das entspricht auch der Idee hinter der „Universal-Karte“ mit Mehrfachfunktion. Sie soll den 167 Millionen Nigerianern den Weg ebnen, weltweit bargeldlos bezahlen und dank des eigenen Konto – das längst nicht selbstverständlich ist – Sozialleistungen empfangen oder ganz einfach Geld sparen zu können. Dass sich daraus ein Trend entwickelt, eine Karte für alles, scheint aber eher abwegig. Denn Werbung auf einem offiziellen Dokument kommt nicht überall gut an.

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