Wird das Smartphone zur Kreditkarte?

Dienstag den 11.03.2014

Bezahlte man im Tante Emma Laden noch bar und beglich die Rechnung vom Versandhaus per Rechnung oder Nachnahme, haben Verbraucher heute die Qual der Wahl zwischen mehreren Zahloptionen. In vielen Supermärkten könnte zum Beispiel das Smartphone gezückt, ein Code eingegeben oder gescannt und damit grünes Licht für eine erfolgreiche Transaktion gegeben werden. Von der neuen Technik wird jedoch kaum Gebrauch gemacht. Wozu etwas Neues wagen, wenn man mit der Kreditkarte im Portemonnaie bestens gerüstet ist?

Dabei ist die Smartphone-Dichte in der Bundesrepublik deutlich höher als die von VISA und MasterCard. Laut Branchenverband Bitkom besitzt jeder Neunte ab 14 Jahren eines der modernen Handys. Mobile Bezahldienste nutzen hingegen nur 13 Prozent. Diesbezüglich hinken die Deutschen den übrigen Industrieländern, die laut Beratungsunternehmen Bain & Company auf 20 Prozent kommen, weit hinterher. Befragt wurden 190.000 Menschen in 27 Ländern. Weltweit liegt der Schnitt bei knapp 30 Prozent, in China sogar bei 50 Prozent. Ähnlich verhält es sich in Afrika, dessen Nationen bei der Umfrage außen vor blieben.

Dass sich das Handy als Zahlungsmittel in anderen Ländern, etwa Kenia, deutlich schneller entwickelt, hat einen Grund: Es gibt kaum andere Alternativen. Banken sind nicht überall vertreten, wohl aber Shops, in denen man sich Geld auszahlen lassen kann, das per SMS transferiert wurde. Der Lohn wird auf diesem Weg bezahlt, die Rechnung des Stromversorgers und der Einkauf im Supermarkt. 200 Millionen Euro pro Monat wurden in Kenia 2010 auf diesem Weg übertragen.

Von solchen Zahlen ist man hierzulande weit entfernt. Zum einen gibt es noch keinen verbindlichen Standard. Man müsste also mehrere Apps von Supermärkten, Kreditkarten-Firmen und Onlinebezahldiensten installieren und dann an der Kasse erst einmal suchen, welches Tool benötigt wird. Diesen Aufwand nimmt kaum jemand auf sich. Stattdessen wird ganz einfach bar gezahlt oder eine der gängigen Bankkarten genommen. Daran wird sich vermutlich auch in naher Zukunft kaum etwas ändern. Denn solange das Bezahlen mit dem Handy keinen echten Mehrwert darstellt oder gar Vorteile bietet, greift die Mehrheit zu bewährten Mitteln.

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