Kreditkartenleser für Obdachlose

Dienstag den 5.11.2013

Brötchen oder Pizza mit Kreditkarte zu bezahlen, ist hierzulande eher unüblich. Kleinbeträge gehen nach wie vor bar über die Ladentheke. Und selbst bei größeren Anschaffungen zögern viele noch, nach dem Plastikgeld zu greifen. In Stockholm haben die Bürger damit keine Probleme. Das geht inzwischen so weit, dass selbst Obdachlose mit Kartenlesern ausgestattet werden. Damit ist der Weg frei für die gute Tat per VISA- oder MasterCard. Klingt maßlos übertrieben, ist anscheinend aber der einzige Weg, um in einer weitgehend bargeldfreien Zone allen gerecht zu werden.

Den Schritt gewagt hat das Kulturmagazin „Situation Stockholm“. Es wird für umgerechnet 5,70 Euro auf der Straße angeboten und berichtet über Prominente aus Schweden. Die Hälfte des Betrags plus Trinkgeld geht an die wohnungslosen Verkäuferinnen und Verkäufer. Sie monierten bei der Herausgeberin in jüngster Zeit immer wieder, dass viele Passanten die Zeitung nicht kaufen würden, weil sie keine Scheine und Münzen dabei hätten und nicht per Handy oder Karte bezahlen könnten. Dem wurde jetzt Abhilfe geschaffen. Magazinverkäufer Stefan Wikberg erklärt: „Ich nehme Karten, SMS-Zahlungen, Cash, und man kann auch in Dollar oder Euro bezahlen.“

Ob es eine spannende oder eher verrücke „neue“ Welt ist, liegt im Auge des Betrachters. Dank der modernen technischen Möglichkeiten könnte der Umsatz des Magazins um knapp 20 Prozent steigen. Das kommt auch jenen zugute, die auf der Straße leben und sich mit dem Verkauf ein Zubrot verdienen. 350 Straßenverkäufer gibt es. Bislang haben allerdings nur fünf ein Kartenlesegerät. Verläuft die Testphase positiv, soll das mobile Bezahlsystem flächendeckend zum Einsatz kommen. Sinnvoll wäre es. Denn Bargeld ist in Schweden beinahe schon verpönt. Das ehemalige ABBA-Mitglied Björn Vulvaeus fordert sogar. „Wir könnten und sollten die erste bargeldlose Gesellschaft der Welt sein.“ Nichtsdestotrotz hat man sich auch Gedanken darüber gemacht, ob die Kreditkarte überhaupt auf offener Straße gezückt wird. Aber es funktioniert.

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