Cyberbankraub mit Prepaid-Kreditkarten

Dienstag den 14.05.2013

Bankräuber tragen normalerweise Skimasken, haben Waffen und sind sich nicht zu schade, Geiseln zu nehmen, um ans Geld zu kommen. Vorige Woche wurden gleich zwei Banken ausgenommen, allerdings völlig geräuschlos mithilfe von Prepaid-Kreditkarten. 40 Millionen Euro erbeuteten die Betrüger, und zwar weltweit, indem sie Geld an Automaten abhoben. Die Cyberkriminalität stößt damit in Dimensionen vor, die man kaum für möglich gehalten hätte. Die Ermittlungsbehörden sprechen von „chirurgischer Präzision“ und rechnen mit Hunderten Kriminellen, die zum Netzwerk gehören.

Was war passiert? Die Täter hatten sich Zugriff auf die Datenbanken zweier Kreditkartenabwickler verschafft und die Limits der aufladbaren Karten nach oben gesetzt: bei der Bank of Muscat (Oman) und der Rakbank (Vereinigte Arabische Emirate). Um den Coup durchziehen zu können, bedurfte es dann noch Kopien der Karten, mit denen die Täter weltweit auf Beutezug gingen, indem sie kurzerhand Bargeldverfügungen vornahmen. In New York wurden 2.904 Automaten angesteuert und 2,4 Millionen US-Dollar von Konten der Bank of Muscat abgehoben. Bereits im Dezember hatten sich die Täter auf dem gleichen Weg mit fünf Millionen Euro von der Rakbank bereichert.

Kunden aus der Bundesrepublik sind nach Aussagen der Deutschen Kreditwirtschaft nicht betroffen. Denn die Kartenkopien würden hierzulande nur funktionieren, wenn sie über einen Chip verfügen, und der gilt im Gegensatz zum Magnetstreifen als absolut fälschungssicher. Auch Mastercard beruhigt, dass die Täter nicht in seine Systeme eingebrochen seien. Gleichwohl bleibt ein fader Beigeschmack, zumal es sich um Prepaid-Kreditkarten handelte. Sie sollen eigentlich für mehr Sicherheit sorgen, indem nur der Betrag ausgegeben respektive abgehoben werden kann, der vorher vom Inhaber eingezahlt wurde. Diese aufladbaren Karten werden auch in Deutschland immer beliebter und waren schon 2009 der Dreh- und Angelpunkt eines Cyber-Bankraubs.

Kreditkartenkunden mit deutschen (Prepaid) Kreditkarten können sich aber nach wie vor sicher fühlen, hier nicht tausende Euro zu verlieren! Dank einer EU-weiten Regelung wird die Kreditkartenhaftung auf max. 150,- Euro beschränkt. Mehr darüber nachzulesen ist hier im Ratgeber zur Haftung.

Dass die Täter sich jetzt für Banken aus dem Nahen Osten entschieden haben, liegt aus Sicht der Ermittler an deren laschen Kontrollmechanismen. Umso wichtiger ist es, sich als Karteninhaber an einige Grundregeln zu halten, ob nun reguläre oder Prepaid-Kreditkarte. Das fängt bereits damit an, dass man die Karte nie unbeaufsichtigt lassen sollte, und reicht bis hin zum prüfenden Blick, ob ein Onlineshop seriös arbeitet und die Daten verschlüsselt übertragt. Denn auch in Deutschland ist die Zahl der Betrugsfälle 2012 rapide gestiegen: um 22,4 Prozent auf 19.625 Fälle.

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